hatte es schon bei books and more geschrieben - aber falls du vergessen hast zu schauen, hier meine meinung:
sind ja schon mal eine menge punkte.
komischerweise ist für mich blog und online-tagebuch ein und dasselbe, oder besser gesagt, das online-tagebuch ist einer untermenge des blogs.
man kann ja grob blog-typen ausmachen: politische blogs, blogs die nur über literatur handeln, erotische blogs etc. pp. eine scharfe grenzziehung wird da eh nicht möglich sein.
daher wäre für mich ein online-tagebuch nichts anderes, als ein pesönlicher blog, der den schwerpunkt eben auf das eigene erleben und erfinden hat, ggf. mit reflexionen etc. pp.
aufgrund der kommentarfunktionen wird sicher auch immer in hinblick auf einen potentiellen leser geschrieben (schere im kopf), so dass es zwar einem tagebuch ähnelt, dem aber nicht gleichkommt.
selbst ein blog, der nicht kommentiert werden könnte, der ohne links etc. auskommen müsste hätte immer noch einen potentiellen leser vor augen.
zudem glaubt eh keiner, dass die identität im internet geschützt ist.
online-tagebühcer daher das halb-private für ne halb-öffentlichkeit
die 'schere im kopf' ist ja etwas, dass unbedingt der näheren untersuchung bedarf. warum legen leute öffentliche tagebücher an, wenn sie doch im stile eines tagebuchs die privatesten dinge erzählen?
nicht, dass ich nicht auch schon des öfteren privates in mein blog gepackt hätte. aber nie im stile eines tagebuchs. nie auf die art, wie ich einem tagebuch ein geheimnis anvertrauen würde.
das halb-private mag stimmen. nur mit der halb-öffentlichkeit kann ich mich nicht anfreunden. schließlich ist das internet voll und ganz öffentlich, zumindest insofern, dass alle, die einen internetzugang besitzen und alle, die nicht durch staatliche zensur am freien surfen gehindert werden, auf online-inhalte zugreifen können.
Hängt davon ab, wie man das Wort 'öffentlich' versteht. 'Halböffentlich' könnte ja bedeuten: Die Inhalte sind veröffentlicht, aber nicht die Identität des/der Schreibenden.
Eine interessante Frage: warum legen leute öffentliche tagebücher an, wenn sie doch im stile eines tagebuchs die privatesten dinge erzählen?
Mir fallen spontan drei Antworten bzw. Aspekte ein:
(1) Es ist die Technik der Blog-Software, die mir ohne eigene Layout- oder Programmierungsmühen eine schöne klare Seitenstruktur auf den Bildschirm zaubert; die Inhalte werden automatisch nach Datum sortiert (und sind über das Kalender-Modul gezielt ansteuerbar); es gibt die (für Ordnungsfreaks wie mich) berauschende Möglichkeit, Rubriken anzulegen, umzubenennen etc.
Gerade für Leute mit Internet-Affinität, oder Leute, die beruflich viel im Netz sind, ist das einfach eine sehr naheliegende, ja verlockende Art von E-Notizbuch. Das will man vielleicht auch einfach mal (als technische Möglichkeit, Tagebuchinhalte zu schreiben) ausprobieren. Spieltrieb.
(2) Durch das Online-Stellen gewinnen die Inhalte einen höheren Grad an (mir fehlt der passende Begriff) 'schwarz auf weiß', an 'Fixiertheit', evtl. sogar 'Werkhaftigkeit'. Das ist ein ähnlicher gefühlter Unterschied, wie wenn ich Handschriftliches früher auf Schreibmaschine übertrug. [Vielleicht versteht jemand, in welche Richtung ich hier denke und kann es besser formulieren]
(3) Vielleicht ist es so, dass man auch bei privatesten Gedanken doch eigentlich den Wunsch hat, sie mit einem Gegenüber zu teilen. Im Idealfall mit dem Liebespartner. Mit Freunden. Auch das klassische Tagebuchschreiben auf Papier - schreiben wir da nicht oft mit Gedanken an einen anderen Menschen, mit dem mitschwingenden Wunsch, die bestimmte Person X (oder eben ein verstehender, seelenverwandter IRGENDWER) möge das jetzt doch erfahren, teilen, sehen? Uns selbst in diesem intimen Text sehen? (Der Wunsch der Seele, gesehen zu werden).
punkt 1 als technische sicht der dinge erklärt nur leider immer noch nicht, warum man dann privates online stellt - selbst wenn der autor anonym bloggt, muss er sich doch bewusst darüber sein, dass eine breite masse seine gedanken mitverfolgen kann. außer er macht das alles mit einer gewissen absicht. selbstdarstellung, identitätssuche und selbstverortung spielen dabei vielleicht eine rolle.
punkt 2 könnte ein ansatz sein in bezug auf die 'werkhaftigkeit'. eventuell könnte das mit dem wunsch zusammenhängen, in gewisser weise bedeutend zu sein und ernst genommen zu werden.
punkt 3 ist eine fabelhaft sichtweise, die ich auch vertrete. mitteilungsbedürfnis, gedanken teilen, nicht allein sein. was aber nicht erklärt, warum im bereich der persönlichen blogs ein so großer boom zu verzeichnen ist. oder sind wir am ende alle einsam? haben sich traditionelle beziehungen aufgelöst und suchen wir jetzt nach neuen wegen der gesellschaftlichkeit?
(zu 1) Ich hatte es so gemeint: Da will eine(r) Privates schreiben und findet dann eine Software, die ihm dafür ein schönes Layout plus Zusatzfunktionen bietet. Dass das dann online und öffentlich geschieht ist eher zufälliger Zusatz, Nebeneffekt. In einem meiner vergangenen Blog-Projekte war das tatsächlich so.
Die anderen Aspekte (latenter Mitteilungsdrang und dergl.) spielten da zwar auch mit, aber zentrale Motivation zur Verwendung der Blog-Software war tatsächlich das unter (1) Genannte.
Ich habe im Netz damals sogar nach blogähnlicher Software zum Download und Offline-Gebrauch recherchiert, wurde so schnell aber nicht fündig und bin dann bei (damals auch) twoday geblieben. Mit ausgeschalteten Kommentaren, wenn ich mich recht erinnere.
(zu 2) 'Werkhaftigkeit' auch in einem ganz privaten Sinn. Als 'ich gebe dem eine schöne ('abschließende') Form'. So wie einer seine Zeichnungen in Passepartouts in einer schönen Mappe archiviert. Oder Fotos 'schön' archiviert bzw. präsentiert. Das fühlt sich dann anders an, hat auch etwas von Wertschätzung und Wert-Zumessung.
Oder wie man Bilder rahmt. Das schöne und strukturierte Layout des Blogs hat etwas von 'schönem Rahmen'; der Textinhalt wäre das Bild, das Layout (in einem weiteren Sinne; inklusive Zusatzfunktionen wie Rubriken) wäre der Rahmen.
(zu 3) Vielleicht gibt das Web auch erstmals die technische Gelegenheit, Privates so (halb)öffentlich zu stellen? Ist die Tatsache, dass Sie und ich ein Blog betreiben, Ausdruck des Umstandes, dass unsere Generation einsamer ist als frühere, oder ist das Bloggen nicht viel eher ein neues Medium, um MEHR Gemeinschaft in neuen Beziehungsformen zu haben? Hätten z.B. wir uns ohne Bloggen je 'getroffen'?
zu punkt 1: mit dem nebeneffekt könnten sie recht haben. das muss ich mir mal genauer durch den kopf gehen lassen.
wobei dem ihr genannter punkt 2 ja genau dort ansetzt. (memo an mich: ebenfalls überdenken.)
zu 3: neue beziehungsformen ist das stichwort. vielleicht hat das gar nicht so sehr mit einsamkeit zu tun, sondern vielmehr mit neuen kommunikationswegen und erweiterten beziehungen. die soziologie hat da wohl schon einiges an thesen gefunden, die ich mir nur noch mal zu gemüte führen muss.
rechtens:
betreiberin dieser privaten webseite ist susanne rudloff, 90489 nürnberg, deutschland.
alle rechte für veröffentlichte inhalte liegen bei der autorin, andernfalls wird darauf hingewiesen. die autorin distanziert sich von den inhalten gelinkter seiten und macht sich diese nicht zu eigen.
sind ja schon mal eine menge punkte.
komischerweise ist für mich blog und online-tagebuch ein und dasselbe, oder besser gesagt, das online-tagebuch ist einer untermenge des blogs.
man kann ja grob blog-typen ausmachen: politische blogs, blogs die nur über literatur handeln, erotische blogs etc. pp. eine scharfe grenzziehung wird da eh nicht möglich sein.
daher wäre für mich ein online-tagebuch nichts anderes, als ein pesönlicher blog, der den schwerpunkt eben auf das eigene erleben und erfinden hat, ggf. mit reflexionen etc. pp.
aufgrund der kommentarfunktionen wird sicher auch immer in hinblick auf einen potentiellen leser geschrieben (schere im kopf), so dass es zwar einem tagebuch ähnelt, dem aber nicht gleichkommt.
selbst ein blog, der nicht kommentiert werden könnte, der ohne links etc. auskommen müsste hätte immer noch einen potentiellen leser vor augen.
zudem glaubt eh keiner, dass die identität im internet geschützt ist.
online-tagebühcer daher das halb-private für ne halb-öffentlichkeit
nicht, dass ich nicht auch schon des öfteren privates in mein blog gepackt hätte. aber nie im stile eines tagebuchs. nie auf die art, wie ich einem tagebuch ein geheimnis anvertrauen würde.
das halb-private mag stimmen. nur mit der halb-öffentlichkeit kann ich mich nicht anfreunden. schließlich ist das internet voll und ganz öffentlich, zumindest insofern, dass alle, die einen internetzugang besitzen und alle, die nicht durch staatliche zensur am freien surfen gehindert werden, auf online-inhalte zugreifen können.
Eine interessante Frage: warum legen leute öffentliche tagebücher an, wenn sie doch im stile eines tagebuchs die privatesten dinge erzählen?
Mir fallen spontan drei Antworten bzw. Aspekte ein:
(1) Es ist die Technik der Blog-Software, die mir ohne eigene Layout- oder Programmierungsmühen eine schöne klare Seitenstruktur auf den Bildschirm zaubert; die Inhalte werden automatisch nach Datum sortiert (und sind über das Kalender-Modul gezielt ansteuerbar); es gibt die (für Ordnungsfreaks wie mich) berauschende Möglichkeit, Rubriken anzulegen, umzubenennen etc.
Gerade für Leute mit Internet-Affinität, oder Leute, die beruflich viel im Netz sind, ist das einfach eine sehr naheliegende, ja verlockende Art von E-Notizbuch. Das will man vielleicht auch einfach mal (als technische Möglichkeit, Tagebuchinhalte zu schreiben) ausprobieren. Spieltrieb.
(2) Durch das Online-Stellen gewinnen die Inhalte einen höheren Grad an (mir fehlt der passende Begriff) 'schwarz auf weiß', an 'Fixiertheit', evtl. sogar 'Werkhaftigkeit'. Das ist ein ähnlicher gefühlter Unterschied, wie wenn ich Handschriftliches früher auf Schreibmaschine übertrug. [Vielleicht versteht jemand, in welche Richtung ich hier denke und kann es besser formulieren]
(3) Vielleicht ist es so, dass man auch bei privatesten Gedanken doch eigentlich den Wunsch hat, sie mit einem Gegenüber zu teilen. Im Idealfall mit dem Liebespartner. Mit Freunden. Auch das klassische Tagebuchschreiben auf Papier - schreiben wir da nicht oft mit Gedanken an einen anderen Menschen, mit dem mitschwingenden Wunsch, die bestimmte Person X (oder eben ein verstehender, seelenverwandter IRGENDWER) möge das jetzt doch erfahren, teilen, sehen? Uns selbst in diesem intimen Text sehen? (Der Wunsch der Seele, gesehen zu werden).
punkt 2 könnte ein ansatz sein in bezug auf die 'werkhaftigkeit'. eventuell könnte das mit dem wunsch zusammenhängen, in gewisser weise bedeutend zu sein und ernst genommen zu werden.
punkt 3 ist eine fabelhaft sichtweise, die ich auch vertrete. mitteilungsbedürfnis, gedanken teilen, nicht allein sein. was aber nicht erklärt, warum im bereich der persönlichen blogs ein so großer boom zu verzeichnen ist. oder sind wir am ende alle einsam? haben sich traditionelle beziehungen aufgelöst und suchen wir jetzt nach neuen wegen der gesellschaftlichkeit?
Die anderen Aspekte (latenter Mitteilungsdrang und dergl.) spielten da zwar auch mit, aber zentrale Motivation zur Verwendung der Blog-Software war tatsächlich das unter (1) Genannte.
Ich habe im Netz damals sogar nach blogähnlicher Software zum Download und Offline-Gebrauch recherchiert, wurde so schnell aber nicht fündig und bin dann bei (damals auch) twoday geblieben. Mit ausgeschalteten Kommentaren, wenn ich mich recht erinnere.
(zu 2) 'Werkhaftigkeit' auch in einem ganz privaten Sinn. Als 'ich gebe dem eine schöne ('abschließende') Form'. So wie einer seine Zeichnungen in Passepartouts in einer schönen Mappe archiviert. Oder Fotos 'schön' archiviert bzw. präsentiert. Das fühlt sich dann anders an, hat auch etwas von Wertschätzung und Wert-Zumessung.
Oder wie man Bilder rahmt. Das schöne und strukturierte Layout des Blogs hat etwas von 'schönem Rahmen'; der Textinhalt wäre das Bild, das Layout (in einem weiteren Sinne; inklusive Zusatzfunktionen wie Rubriken) wäre der Rahmen.
(zu 3) Vielleicht gibt das Web auch erstmals die technische Gelegenheit, Privates so (halb)öffentlich zu stellen? Ist die Tatsache, dass Sie und ich ein Blog betreiben, Ausdruck des Umstandes, dass unsere Generation einsamer ist als frühere, oder ist das Bloggen nicht viel eher ein neues Medium, um MEHR Gemeinschaft in neuen Beziehungsformen zu haben? Hätten z.B. wir uns ohne Bloggen je 'getroffen'?
Liebe Grüße B&M
wobei dem ihr genannter punkt 2 ja genau dort ansetzt. (memo an mich: ebenfalls überdenken.)
zu 3: neue beziehungsformen ist das stichwort. vielleicht hat das gar nicht so sehr mit einsamkeit zu tun, sondern vielmehr mit neuen kommunikationswegen und erweiterten beziehungen. die soziologie hat da wohl schon einiges an thesen gefunden, die ich mir nur noch mal zu gemüte führen muss.
ebenfalls liebe grüße!