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Dienstag, 11. März 2008
wenn man abends um zehn noch mal schnell zum zigarettenholen das haus verlässt und dabei bemerkt, dass der leichte nieselregen die stadt zum duften bringt, als wäre es ein lauer frühlingsabend im mai, dann sollte man es einfach mal genießen anstatt sich gleich zu fragen, ob man vor lauter seltsamer müdigkeit schon halluziniert.
die primeln und tulpen auf deinem schreibtisch verraten, dass es frühling wird. der mann, der neulich den stadtteilbrunnen in vorbereitung der jährlichen frühlingshaften nach-winter-inbetriebnahme gereinigt hat, auch.
also: augen auf, der frühling kommt. keine widerrede, du kleines fieses winterhirn da oben drin in meinem kältedepressiven kopf. hände hoch und losgejubelt.
jetzt fehlt eigentlich nur noch sonne.
wort-wahl - 11:26 - ::tiefseetauchen::
Freitag, 19. Oktober 2007
aus der reihe "schöne momente zu unpassenden zeitpunkten":
im oktober abends im dunkeln mitten auf der straße stehenbleiben und dem gemeindechor durch die offenen fenster beim proben zuhören. dabei komischerweise ein gefühl von weihnachten bekommen, zwei monate zu früh. trotzdem mit dem weihnachtslächeln auf den lippen weitergehen. sich kurz beim wunsch nach schnee ertappen.
wort-wahl - 21:44 - ::tiefseetauchen::
Dienstag, 4. September 2007
dann wachst du auf und die sonne scheint dir ins gesicht. ach, denkst du. sonne, denkst du. aber es lügt, das wetter veräppelt dich und zeigt dir im nächsten moment den blanken arsch, prall gefüllt mit regenwolken, dünnschiss überall und die katze kotzt hinters sofa, verkrümelt sich treudoof und meckert wie fünf ziegen. ach, denkst du. ist's schon wieder soweit. neun grad celsius und deine stimmung. ja richtig, es muss auch herbst werden irgendwann.
aber warum denn schon jetzt.
wort-wahl - 12:59 - ::tiefseetauchen::
Freitag, 18. Mai 2007
nachts dann, es dreht dich, du hast getrunken und eine lebensweisheit nach der anderen entdeckt, fragst du dich noch, warum es dir das leben so schwer macht. kurz vor dem einschlafen verstehst du es: das leben, es liebt dich und gibt dir alles, was es zu geben hat. mitunter auch die harten brocken, das ist wie beim kotzen, es kommt alles auf einmal, da wird nicht getrennt nach wodka und sahnepudding.
wort-wahl - 10:52 - ::tiefseetauchen::
Samstag, 14. April 2007
wenn man aufwacht und der kopf dröhnt, als wäre ein kieslaster darüber hinweggeknirscht und die beine sich anfühlen, als hätte man in einer einzigen nacht mehrmals den bergetappensieg bei der tour de france gewonnen, dann war die party eine gute party und der dj ein plattentellergott.
die ungereimtheiten des abends aber überlagern die freude des katers am tag danach: frauen mit hochhackigen schuhen auf der tanzfläche schütteln die handtäschchen zu harten elektrobeats während große männer mit glasigem blick zappeltanzend ihre brennenden zigaretten auf deiner augenhöhe schwenken, bis du freiwillig das feld räumst. du fragst dich, warum die süße mittdreißigerin, die deine gesamte männliche partycrew so herzlich liebenswürdig halt- und grenzenlos anbaggert, dir so unglaublich vertraut scheint. eben noch möchtest du eifersüchtig werden: hey, das sind meine begleiter, das ist meine crew, da bin ich star und sternchen, doch der wunsch bleibt vater des gedankens. seit langer zeit wieder flirtest du nur im grenzbereich einer beziehung, also gar nicht, ich habe da definitionsprobleme. stattdessen sitzt du als stiller beobachter am tanzflächenrand mit blick auf die frau, die du sein könntest, die du eigentlich bist, die die männer wild macht und keine grenzen kennt sondern die freiheiten nutzt. ein schauspiel der besonderen art, eine privatvorstellung, um zu reflektieren und dir die alles entscheidende frage zu stellen: ist das hier wirklich so richtig oder verarscht du dich eigentlich gerade selbst.
wort-wahl - 12:48 - ::tiefseetauchen::
Samstag, 20. Januar 2007
ich gehe aus dem haus, weil ich sonst das risiko eingehe, an meinem schreibtischstuhl festzuwachsen. es ist schon dunkel, der wind pfeift um meine ohren und das gehen tut gut. ich laufe ziellos durch die straßen. ich habe keinen auftrag, denke ich, kein ziel, ich gehe, um des gehens willen. was ist los mit mir, dass ich mich so einsam fühle, frage ich flüsternd in die dunkelheit.
etwas fehlt. eine hand in meinem haar und ein kuss auf die stirn. eine stimme in meiner gegenwart, ein knistern in meiner wohnung, etwas, dass mir sagt: du bist nicht allein.
der fluss glitzert im schein der straßenlaternen. er rauscht, wie mein leben, einfach vorbei. unter der brücke gurgelt und gluckst es, tonlos, glaube ich, wie in meinem herzen. mir läuft ein schauer über den rücken. was, wenn du gerade an einer anderen brücke stehst. ich hier, du dort - was uns trennt ist der zufall, das 'kawuum' der begegnung, der riss im zeitkontinuum, ein ganzes leben lang. ein ganzes leben lang könnte ich hier stehen und warten. darauf, dass etwas passiert. irgendetwas. vielleicht das leben, während ich einfach nur warte.
wort-wahl - 21:17 - ::tiefseetauchen::
schadhaftes lächeln, du. könntest mir mit einer verrosteten säge das herz aus dem brustkorb schneiden - ich würde tränen vergießen vor glück. oder ungeduld. meine seele sitzt tiefer, unerreichbar für dich, ein bunker ist meine gefühlswelt und eine vorratskammer meine eingeweide für jahre. rüttel nicht an meinen worten, sie sagen dir nichts, weil sie eine andere sprache sprechen. sie haben sozialisation nie gelernt. es ist eine einsamkeit da drin, es ist eine sehnsucht, es ist ein kreuz. aber es lebt. leise, ganz leise nur.
wort-wahl - 12:25 - ::tiefseetauchen::
Donnerstag, 14. Dezember 2006
wir kuscheln uns in unsere betten, die musik versucht uns in den schlaf zu düdeln und die gedanken rasen. wir kennen das, wir hassen es. es bleibt uns nichts anderes, denn das leben ist grausam von zeit zu zeit.
allein in der nacht, die dunkelheit umhüllt das schweigen in meinem herzen, fürchte ich, etwas zu verlieren, was mir merklich mehr und mehr entgleitet. dabei war es mir schon so nah, so warmzärtlich nah. die entfernung wächst mit jedem tag, das jahr bald vorüber und die erinnerung nur noch ein schimmer. als wäre alles schon so lange her. es war doch erst gestern, rufe ich in meine seele hinein und sie antwortet nicht. warum sollte sie auch, sie schläft schon längst, seit die tage kürzer wurden und die sonnne nur noch kaltgrau vom himmel blickt.
festhalten will ich es, es rinnt wie zeit davon. nicht zu ändern. und in ein paar wochen dann ist mein leben langweilig wie eh und je. du aber bist in meinem herzen begraben. ich lasse dich gehen, wenn du gehen willst, physisch, psychisch, du bist nur ein weiterer riss im zeitkontinuum meines herzens.
wort-wahl - 09:16 - ::tiefseetauchen::
Dienstag, 5. Dezember 2006
was ich besonders gut kann:
mich selbst in situationen manövrieren, die vordergründig spaß machen. die kommunikation mit dem herzen abbrechen, weil verständigungsprobleme überhand nehmen. hintergründig selbstverachtung verspüren. ein bisschen über mich selbst lachen. den kopf schütteln und gegen öffentliches eigentum treten, dabei fast die zehen brechen. verwünschungen aussprechen. mich selbst in einem tiefen loch begraben wollen. nach hause gehen, an die wand starren. den teufelskreis durchbrechen wollen, keinen ausweg finden aus der situation. gute vorsätze machen im wissen, sie ohnehin nicht einhalten zu können.
nachher ein bisschen weinen.
wort-wahl - 07:55 - ::tiefseetauchen::
Montag, 27. November 2006
eines tages wachst du auf und weißt, dass sich irgendetwas in deinem leben grundlegend verändert hat - nur was, ist dir nicht ganz klar. du stehst auf, siehst dich um, aber deine wohnung ist chaotisch wie immer. die sonne ist wie üblich auf- und die welt noch nicht untergegangen; du gehst ins bad, siehst in den spiegel und auch da ist alles beim alten: die augenringe sind da, die falten auch, dein teint trüb wie jeden tag. als du in die küche gehst ist auch die kaffeemaschine noch an ihrem alten platz, die ungespülten teller sind da, der dreck auch. du setzt dich, starrst die wand an, die auch noch so ist wie gestern und die tage davor, legst eine cd ein, die die immer gleichen lieder spielt. du kommst einfach nicht auf die veränderung, die doch beim aufwachen noch so deutlich zu sein schien. bis du die erste tasse kaffee getrunken hast und dir beim blick auf dein kaltes, leeres bett plötzlich klar wird, dass du dich an die allnächtliche einsamkeit gewöhnt hast - dein herz hat aufgegeben.
wort-wahl - 09:13 - ::tiefseetauchen::